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  • Mehr Spielraum zum Tricksen für Krankenkassen dank der neuen Spitalfinanzierung 2012?

    Juni 5th, 2011 in Gesetze / Regulierung

    Haben Krankenkassen die Möglichkeit, mit der neuen Spitalfinanzierung zu tricksen, um mehr Ausgleichsgelder zu erhalten. Ja, denn ab 2012 können Versicherer versuchen, Spitäler vermehrt zu stationären Behandlungen zu drängen, was mehr Ausgleichsgelder für Krankenhausaufenthalte bedeutet.

    Nicht nur die neue Spitalfinanzierung über Fallpauschalen, welche 2012 in Kraft tritt, wird den Prämienzahlern Schmerzen bereiten. Auch mit dem Risikoausgleich können die Gesundheitskosten nochmals in die Höhe schiessen. Das schweizerische Gesundheitssystem verlangt es, dass alle in der Schweiz lebenden erwachsenen Personen pro Kasse und Region eine gleich hohe Grundversicherung bezahlen. Weibliche und ältere Personen verursachen aber höhere Gesundheitskosten. Aus diesem Grund finden Ausgleichszahlungen zwischen Kassen mit vielen jüngeren, männlichen Versicherten und solchen mit vielen Frauen und Alten statt. Diese Ausgleichszahlungen werden als Risikoausgleich bezeichnet.

    Doch mit der neuen Spitalfinanzierung soll dieser Risikoausgleich verfeinert werden. Um die nach wie vor herrschende Jagd der Kassen nach guten Risiken einzudämmen, sollen neu auch Zahlungen für Versicherte stattfinden, die im Vorjahr drei Tage und mehr in einem Spital oder Pflegeheim verbrachten.

    Gar nicht damit einverstanden sind Gesundheitsökonomen. Sie befürchten nämlich, dass Krankenkassen so einen Anreiz haben, Spitäler zu stationären Behandlungen zu drängen. Oder: dass die Spitäler die Patienten mindestens drei Tage stationär behalten. Eine solche Szene ist nicht aus der Luft gegriffen, da sich dies im benachbarten Deutschland schon längst abspielt.

    Spitalverband zeigt sich beunruhigt
    Nicht nur Gesundheitsökonomen sehen in diesem Szenario Risiken. Selbst der Spitalverband H+ zeigt sich beunruhigt. „Heute sind Ärzte und Spitäler für die Dauer eines Spitalaufenthalts verantwortlich. Aber der neue Risikoausgleich könne einem unerwünschten Druck durch die Kassen führen“, ist sich H+-Direktor Bernhard Wegmüller sicher. Denn in seinem neuesten Bulletin „Kurzinformation H+“ schreibt er: „Der Spitalaufenthalt über drei Tage könnte einen falschen Anreiz zu einem längeren Spitalaufenthalt setzen.“

    Der Grund liegt wie so oft in der Marktmacht. Grosse Krankenkassen haben auf ihre Partnerspitäler grossen Einfluss. Somit können diese Spitäler in gewisse Behandlungsarten gedrängt werden. Und dies kann die Gesundheitskosten in die Höhe treiben.

    Verhandlungen erweisen sich als zäh
    Die Gefahr wurde bereits früh erkannt. Der Nationalrat Ignazio Cassis (FDP/TI) hat dann auch schlussendlich die Idee einer weiteren Verfeinerung des Risikoausgleichs in der jetzt vom Parlament debattierten Managed-Care-Vorlage eingebracht. Er sieht es als wichtig, schwer kranke Personen und Personen mit erhöhtem Krankheitsrisiko in die Ausgleichszahlungen miteinzubeziehen, da ansonst wirklich ein grosser Anreiz für Kassen besteht, möglichst viele Versicherten drei Tage und länger im Spital zu behalten.

    Das Problem liegt allerdings darin, dass das Parlament die Managed-Care-Vorlage erst gutheisst, wenn das Bundesamt für Gesundheit weitere Arbeiten bezüglich des Risikoausgleichs in Angriff nehmen können. Und diese Wahrscheinlichkeit ist vor kurzer Zeit im Ständerat gesunken. Und auch wenn in der Herbstsession sich die Räte einigen, kann es zu einem Referendum und somit zu einer Volksabstimmung kommen. Und dies braucht Zeit, die das Gesundheitswesen nicht hat.

    Quelle: 20min.ch

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